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Das TILT-Phänomen und was man dagegen tun kann

Das berühmte „Poker-Face“ wird nur zu gerne genannt, wenn man von Emotionen beim Poker spricht. Im Poker-Spiel spiegeln sich alltägliche Situationen wieder. In manchen Momenten sind wir gefasst und stehen wie der Fels in der Brandung. Dann kommt ein Ereignis und wir können unser Leiden nicht unterdrücken. Beim Poker dürfen die negativen Gefühle allerdings für den Gegner nicht sichtbar sein. Ansonsten wird er dies nur ausnutzen und weiter Salz in die Wunde streuen. Besonders schlimm wird es beim TILT-Zustand. Dieser beschreibt eine Anhäufung von negativen Ereignissen, welche uns die Konzentration und Disziplin rauben. Beim Poker kann dies einer lange Pechsträhne oder ein großer Verlust sein. Vielleicht hat der Gegner gerade großes Glück gehabt und doch noch seinen Flush getroffen, obwohl er aufgrund schlechter Pot Odds hätte nicht mitgehen dürfen.

Immer wenn wir nicht mehr Herr unserer Gefühle sind, dann gehen wir TILT. Wir wollen mit allen Mitteln die Verluste ausgleichen, am liebsten mit der Brechstange. Auch wenn Aggression beim Poker grundsätzlich nicht falsch ist, so wirkt ein dauerhaftes raisen und re-raisen nicht sehr glaubwürdig. Früher oder später sieht man sich dann mit einem totalen Verlust seines Geldes konfrontiert, wenn man die Reißleine nicht rechtzeitig zieht.  Auch Poker-Profis unterliegen hin und wieder dem TILT-Phänomen, aber wissen sich zu helfen.

Wenn der Fall eintritt, dann ist es wichtig, dass die Gegner nichts davon merken. Natürlich kann sich jeder denken wie man sich nach einem großen Verlust fühlen muss. Zeigt man keinen Ärger darüber, dann verschwindet dieser Gedanke aber auch wieder ganz schnell. Äußerlich muss man also immer cool bleiben, vielleicht durch Musik oder autogenes Training. Innerlich kann man vor Wut kochen, aber man sollte seine Zeit lieber für die Analyse nutzen. Wenn man wirklich keinen Fehler begangen hat und nur das Glück gegen einen stand, dann wird man in der gleichen Situation auch wieder gewinnen.

Wenn man sich wirklich nicht beherrschen kann, dann sollte man für einen Moment lang pausieren und den Tisch für ein paar Schritte verlassen. Auch hierbei sollte man keine Emotionen zeigen. Nur weil man abwesend ist, kann man nicht dennoch beobachtet werden. Mit kühlem Kopf geht es dann wenige Minuten später wieder an den Tisch. Selbst in einem Turnier kann man eine Pause einlegen. Es ist keine Schande und diese kurze Auszeit wird auch von Poke-Profis genutzt.

Sitzt man allerdings gerade im Heads Up, dann ist keine Pause möglich. Ihr Gegner wird nicht auf Sie warten und die Poker-Regeln sehen Pausen in dieser Phase nur selten vor. Ob im Heads Up oder in anderen Situationen an denen man den Tisch nicht pausieren möchte, gibt es einen Tipp. Ein Poker-Profi schrieb einmal, dass er sich in Momenten des TILTs an seine besten Hände zurück erinnert. Situationen in denen der Pot groß war, man selbst die Nuts hatte und der Gegner einem blind in die Falle ging oder die größten Turnier-Siege, so etwas ist damit gemeint. Innerlich bekommt man ein kleines Lächeln und schon sind die Gedanken wieder auf etwas Positives ausgerichtet.

Wer also gerade auf TILT ist, der muss sich extrem beherrschen. Eine ruhige Einstellung zum Spiel verhindert Ärger nicht immer, deshalb muss man für einen Ausgleich sorgen. Poker bedeutet auch seine Disziplin ständig aufrecht erhalten zu können. Musik beim Spiel, autogenes Training in der Vorbereitung und Sport als Ausgleich für die langen Sessions kann zu einer ausgeglichenen Haltung führen. Und immer daran denken, auch die Gegner sind irgendwann einmal auf TILT und dann wird zurück geschlagen!