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Die Zehner-Regel

Die ist auf keinen Fall ein eleganter Titel, aber liest man diesen Artikel weiter, wird man dies verstehen. Der Artikel wurde geschrieben, weil genau diese Situation, in die geraten wurde, sehr oft auftritt und sie psychologisch gesehen sehr interessant ist.

Gespielt wird $2/$5 No Limit Hold’em, man sitzt mit einem Stack von bisschen mehr wie $1.000 am Button und der Spieler genau rechts von einem hat einen Bad Beat bekommen und tilted vor sich hin. Er kaufte nochmals für $300 nach, der Stack des Big Blinds ist größer wie der eigene. Zu Tiltboy wird gecheckt, dieser erhöht auf $35, eine sehr aggressive Partie. Man insta-callt mit A Kund will gerade die sieben roten Chips schieben über die Linie, ruft eine Stimme: „Hirnfurz du bist ein Idiot“.

Psychologisch gesehen war dies schon ein interessanter Moment, denn plötzlich wurde einem klar, dass ein Call hier nicht angebracht war. Die Gründe kommen weiter unten. In diesem Moment kamen einem ein guter und ein schlechter Call in den Sinn. Warum ist es so, dass das negative, der letztere Gedanke dominiert? Warum denkt das Gehirn dann nicht einfach positiv?

Der Big Blind callt, der Small Blind foldet und der Pot hat eine Höhe von $97. Auf A A 5 fällt der Flop. Man selbst trifft Trips und den Backdoor Flush Draw, Tiltboy setzt $75 und der Big Blind checkt. Nur um einen Call des Big Blind zu induzieren bezahlt man, dies klappt auch, denn der Pot hat jetzt eine Höhe von $322. Die 8 kommt auf dem Turn und man zieht zum Nut Flush, der Big Blind checkt nochmals und mit seinen restlichen $190 geht der Tiltboy All-In. Man selbst hat ein Smooth Call und der Big Blind erhöht auf $500. Warum erhöht dieser jetzt so viel? Das insta All-In verkündet man, die innere Stimme ruft: „Das vorhin war schon so schlecht und jetzt hast du dich komplett zum Idioten gemacht“. Der Call kommt und er zeigt Pocket Fünfen. Dann kommt es richtig heftig und auf dem River kommt der Flush an. Tiltboy wirft ein paar Damen offen auf den Tisch.

Jetzt sehen wir uns die Hand genauer an um herauszufinden was genau falsch war, danach folgt die Psychologie des Hirnfurzes. Bereits der erste Fehler war, dass man nur gecallt hat vor dem Flop, indirekt ist dies nicht falsch, jedoch wäre ein Raise schon besser gewesen. Hier könnte Tiltboy alles Mögliche haben, man selbst ist meist der Favorit und man muss versuchen Tiltboy zu isolieren. Die Sache macht man unnötig schwierig, weil man einen der Blinds in die Hand lässt, dies wäre erledigt gewesen mit einem Raise von ca. $100. Tiltboy wäre dann schon pot-committed gewesen und man selbst wäre die Blinds los gewesen. Auch ein Fehler war, dass man nicht alle Hände, welche möglich waren, beim Big Blind durchgegangen ist.

Kommen wir zum Hirnfurz. Das Wahrzeichen des Hirnfurzes ist das Tempo. In sehr schnellen Calls und All-in Moves findet man den Hirnfurz. Aus dem Nichts entstehen sie, meist sind es schwerwiegende Fehler. Nicht nur ein paar Chips kosten einen der Hirnfurz, sondern den ganzen Stack, dieser basiert auf Gewohnheiten.

Die Zehner-Regel

Das Problem kennen wir jetzt, wie lautet die Lösung dazu? Ganz einfach, die Zehner-Regel ist die Lösung. Was ist die Zehner-Regel? Schreit eine Situation von mehr als zehn Big Blinds nach einem Raise, einer Bet oder einem Call, sollte man sich einfach zurück lehnen und bis zehn zählen. Gar nicht über irgendwas nachdenken, einfach nur zählen, dann vergeht der ursprüngliche Impuls und man hat Zeit sich die Alternativen anzusehen. Da dies ein neues Verhaltensmuster ist, wird diese Regel nicht leicht umzusetzen sein.