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Frauenpower und Poker. Pokerdamen Trumpfen auf!

Katja Thater, die bekannteste deutsche Spielerin bekommt in Deutschland einige Pokerdamen als Verstärkung. Sie spielen äußerst talentiert und haben national wie international große Turniere gewonnen. Erfolge zählen für sie mehr als Rampenlicht und Glamour. Drei außergewöhnliche Frauen im Portrait.

„Es ist wie beim Schachspiel – das Gehirn muss ständig aktiv, hoch konzentriert und permanent bereit sein, Hochleistungen zu erbringen“. Das zumindest ist für Soraya Homam der Reiz des Pokerspiels. Die Grand Dame des deutschen Poker hat lange erfolgreich Schach gespielt und war auch viele Jahre als Schachtrainerin tätig. Wesentlich erfolgreicher ist sie heute beim Pokerspiel. Aus vielerlei Gründen, wie die 46-jährige Neu-Isenburgerin erzählt. „Selbstvertrauen, Geduld und eiserne Disziplin sind der Schlüssel zum Pokererfolg“,weiß Soraya Homam aus eigener Erfahrung. Seit fast 20 Jahren spielt sie alle wichtigen Turniere und war lange die einzige Frau in der deutschen Pokerszene. Eine Rolle, die nicht immer einfach war und wegen der sie all die Jahre kontinuierlich kämpfen musste. „Als Frau musste ich mich mit sehr vielen Anfeindungen und Vorurteilen auseinandersetzen“, erinnert sich Soraya Homam. Sie musste sich nicht nur gegen die eigene Familie durchsetzen, die das Pokerspiel und das dazugehörige Umfeld als unseriös und anrüchig ansah, sondern auch gegen ihre Mitspieler, die zu dieser Zeit ausschließlich männlich waren. Vieles hat sich seither verändert.
Neben einer zunehmenden Akzeptanz der Gesellschaft gegenüber Poker, ist es sicherlich auch der Bodenständigkeit, Seriosität und dem Engagement von Frauen wie Soraya Homam zu verdanken, dass das Image von Poker einen Wandel erfahren hat.

Diesen Wandel erleben heute junge Pokerspielerinnen wie Stefanie Bergener als nahezu selbstverständlich. Die gebürtige Münchnerin, die heute in Offenbach lebt, kennt zwar das Gefühl von männlichen Mitspielern unterschätzt zu werden. „Ich verfüge aber über ausreichend Selbstbewusstsein, um mich dadurch nicht mehr aus der Ruhe bringen zu lassen“, erklärt die 40-Jährige unbeeindruckt von der zahlenmäßigen männlichen Dominanz am Pokertisch. Von ihrer Familie und ihren Freunden erfährt sie volle Unterstützung. Allerdings kann sie nachvollziehen, warum manche Frauen immer noch Ressentiments gegenüber Poker hegen. „Nach wie vor werden mit Poker eher Begriffe wie Aggressivität, Lässigkeit oder Durchsetzungskraft assoziiert, was traditionell eher männliche Attribute darstellen“, meint die Offenbacherin. So gelten Frauen immer noch als etwas unseriös bei Pokerfremdlingen, was viele Frauen nach wie vor abhalte, aktiv ins Pokergeschäft einzusteigen. Aus diesem Grund zeigt sich die Offenbacherin auch von Frauen wie Soraya Homam oder Jennifer Harmann beeindruckt. „Das sind nicht nur exzellente Pokerspielerinnen, sondern vor allen Dingen Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und natürlich, freundlich und hilfsbereit geblieben sind.

Schlechte Erfahrungen als Frau kennt auch Christiane Klecz beim Poker nicht. „Ich habe mich in diesem Umfeld immer wohl gefühlt“. Sicherlich komme mal ein dummer Spruch, doch das nimmt die Powerfrau gelassen. Der Erfolg gibt ihr recht. Christiane Klecz beeindruckte bei der diesjährigen WSOP in Las Vegas. Die 37-Jährige erspielte sich mit Mut und Geschick ein Preisgeld von etwa 30.000 Dollar. Prominente Unterstützung erhielt die Kölnerin von Profispieler Eduard Scharf. „Bereits im Vorfeld hat mir Eddy einige Tipps gegeben“, erinnert sich Christiane Klecz. Während des Turniers tauschten sich beide dann via Telefon oder E-Mail aus.
Was heute eine Erfolgsgeschichte ist, begann vor zwei Jahren per Zufall, als ein Freund die Vertriebsexpertin fragte, ob sie ein Online-Freeroll-Turnier für ihn in Vertretung spielen könne. Christiane Klecz gewann das Turnier. Dann folgten vier aufeinanderfolgende Siege im Casino Aachen und mehr als 20 Titelgewinne bei regionalen Turnieren im Ruhrgebiet.

Vor etwa 20 Jahren, als Soraya Homam mit dem Pokerspiel begann, war das Internet noch unbekannt. Online-Turniere gab es nicht. Gespielt wurde im Casino und das zumeist um harte D-Mark. Damals noch als Hebamme tätig, entwickelte die begeisterte Pokerspielerin kontinuierlich Strategien, um ihr Spiel zu perfektionieren. Die größte Herausforderung dabei war, sich selbstbewusst und stark wahrzunehmen, erklärt Soraya Homam heute. „Ich habe oft Ausfälligkeiten, Streitigkeiten oder Beleidigungen am Pokertisch erfahren und es fiel mir anfänglich sehr schwer damit umzugehen.“ Noch heute zeigt sich die 46-Jährige verärgert über wiederholtes Fehlverhalten beim Spiel. Doch über die Jahre hat sie so viel Selbstbewusstsein entwickelt, dass sie konsequent ihre eigene Pokergeschichte leben kann. „Egal ob im alltäglichen Leben oder beim Poker – eine Frau darf nie zur Zielscheibe für Aggressionen und Ungeduld werden, sonst wird sie selbst unkonzentriert“, erklärt Soraya Homam einen Teil ihres Erfolgsrezeptes, das sich bereits seit zwei Jahrzehnten bewährt.
Seit über zehn Jahren steht sie an der Spitze der Wiesbadener Pokerturniergeschichte. Im Jahr 2000 gewann sie die Europameisterschaft. Im darauffolgenden Jahr konnte sie an diesen Erfolg fast nahtlos anknüpfen. Sie belegte den zweiten Platz des Turniers und wurde damit Vize-Europameisterin.

Die Pokerkarriere von Stefanie Bergener mutet im Vergleich recht jung an, doch persönliche Erfolge feiert auch sie. Seit eineinhalb Jahren spielt die zweifache Mutter und das zumeist im Internet. Zwar muss sich die Offenbacherin dort gegen eine riesige Anzahl Mitspieler behaupten, doch Geldpreise und die Eintrittskarte zum EPT-Turnier in Dortmund im vergangenen Jahr zeigten, dass sich auch online spielen auszahlt. So war dann auch das Live-Turnier im Ruhrgebiet eines der spannendsten Erlebnisse der 40-Jährigen: „Mit Platz 230 bin ich zwar nicht ganz so weit gekommen, wie ich gehofft hatte“, erinnert sich Stefanie Bergener. „Ich saß aber gemeinsam mit Michael Keiner und Katja Thater am Tisch und bin länger im Spiel geblieben als diese beiden Topspieler – das war schon ein großer persönlicher Erfolg“, so die begeisterte Pokerspielerin.

Den ersten gemeinsamen Auftritt hatten die drei Damen anlässlich der PartyPoker.net Women`s World Open, die vom größten Pokeranbieter in diesem Sommer in London ins Leben gerufen wurden. Die deutschen Damen trafen auf ein großes internationales Teilnehmerfeld. Es waren immerhin 3.000 Dollar Buy-In zu leisten, um sich mit so klangvollen Namen wie Liz Lieu, Jennifer Tilly oder Shannon Elisabeth zu messen. Gewonnen hat letztendlich dann keine der deutschen Pokerdamen. Die Engländerin Beverly Pace machte das Rennen unter den 36 Teilnehmerinnen und gewann 50.000 Dollar Preisgeld.
„Normalerweise bevorzuge ich Mixed-Turniere, weil hier einfach unterschiedlichere Charaktere aufeinandertreffen, aber dieses reine Damenturnier hatte seinen ganz eigenen Reiz“, erinnert sich Christiane Klecz. Soraya Homam freut sich im ersten Heat den zweiten Platz belegt zu haben. „Für mich ein Riesenerfolg“, erklärte die 46-Jährige, für die nicht nur Titelgewinne entscheidend sind. Gerade die Women`s World Open besitzen für Soraya Homam einen besonderen Stellenwert. „Das war schon eine sehr angenehme Spielatmosphäre mit so vielen faszinierenden und charismatischen Spielerdamen zusammenzutreffen, bei denen ein herzlicher und respektvoller Umgang untereinander im Vordergrund stand“, erklärte Soraya Homam sichtlich berührt im Anschluss an das Turnier. Mit reinen Damenturnieren fänden endlich auch Spielerinnen Anerkennung und mediale Berücksichtigung, wie sie vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen sei.

Ende November trafen die drei deutschen Pokerladies erneut in London zusammen, wo die PartyPoker.net German Open II stattfanden. Neben einigen Online-Qualifikanten und Prominenten wie Fußballer Thomas Strunz oder Moderatorin Gundis Zambo, waren es Profispieler wie Michael Keiner, Benjamin Kang und Eddy Scharf, mit denen sich die Damen messen mussten. Nachdem sich Soraya Homam mit einem aggressiven, überlegenen Spiel in ihrem Heat durchsetzte und sich so für den Final Table qualifizierte, gewann sie schlussendlich den dritten Platz und damit ein Preisgeld von 20.000 Euro.

So unterschiedlich sich die Biografien auch lesen und so verschieden die Persönlichkeiten von Soray Homam, Christiane Klecz und Stefanie Bergener auch sind. Eines haben sie gemein: ihre Leidenschaft für Poker. Und sie alle haben ein Ziel vor Augen: Die Weltmeisterschaft 2008. Unterschätzen sollte man die deutschen Pokerdamen dann nicht mehr. „Jede Frau kann alles erreichen, wenn sie nur fest an sich selbst glaubt“, zeigt sich Soraya Homam überzeugt. Und Glaube versetzt bekanntlich Berge – auch oder gerade beim Poker.