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Strategie Sit’n Go Turniere

Lange Zeit hat man versucht einen Mittelweg zwischen Cash Games und langen Turnieren zu finden. Man wollte die Vorteile beider Seiten vereinen, ohne das dabei zu viel Zeit vergeht. Dabei sind Sit´n Go Turniere entstanden. Die auch als SnG´s bezeichneten Spiele können an einem oder mehreren Tischen gespielt werden. Für die weiteren Erklärungen bezieht sich dieser Artikel nur auf einen einzelnen Tisch mit 10 Personen. Die Sit´n Go Turniere werden beim Onlinepoker in nahezu jeder Preisklasse angeboten und erfreuen sich deshalb großer Beliebtheit. Aufgrund der schnell steigenden Blinds enden sie meistens in einer Stunde oder weniger. Durch die kurze Spielzeit gerät die Analyse der Gegner in den Hintergrund und das technische Poker gewinnt an Bedeutung. Wer also immer die mathematisch richtigen Entscheidungen trifft, kann viele Tische gleichzeitig beim Onlinepoker spielen. Im Folgenden wird eine recht sichere Strategie für Sit´n Go Turniere erklärt, welche auf Dauer Gewinne erbringen soll.

Auch wenn man durch die schnell steigenden Blinds und kleinen Stacks bei SnG´s sehr schnell unter Zeitdruck gerät, sollte man zu Beginn die Kugel ganz ruhig schieben. Alle Mitstreiter stehen genau unter demselben Druck und müssen auch so schnell es geht ihre Chips vermehren. Viele spielen SnGs, aber nur wenige Pokerspieler kommen damit auch wirklich klar. Demzufolge geht bei dieser Turnierform von der ersten Minute an die Post ab! Einige Spieler versuchen sich mit mehreren All-Ins einen schnellen Vorteil zu verschaffen. Natürlich kann man mit einem zwei- bis dreifachen Chipstapel das restliche Spiel ruhiger angehen, aber oft geht der Schuss nach hinten los und man hat schon zwei bis drei Spieler weniger an dem Tisch, noch bevor das 4. Blindlevel erreicht worden ist. In der ersten Phase eines Sit´n Go Turnieres sollte die Strategie also viel Disziplin beinhalten.

Mental bereitet man sich auf sein erstes großes Ziel vor, das Preisgeld erreichen. Doch davor steht noch eine große Hürde. Sind nur noch 4-5 Spieler verblieben, dann sind die Blinds meistens schon sehr hoch und die Stacks sehr ungleichmäßig verteilt. Wenn man mit überdurchschnittlich vielen Chips am Tisch sitzt, dann kann man in Ruhe zusehen wie die anderen Spieler sich jagen. Durch die vorangegangene tighte Spielweise sieht man sich allerdings oft in der Situation des small Stack wieder. Mit nur wenigen Chips überlebt man vielleicht noch ein bis zwei Big Blinds und dann ist Schluss. Bevor man also von den gezwungenen Einsätzen aufgefressen wird, sollte man die Action selbst in die Hand nehmen. Jedes Ass wird für ein All-In genutzt, genauso wie jedes Pärchen, weil oftmals kein höheres Paar vom Gegner getroffen wird. Wenn man die wenigsten Chips besitzt, dann gibt es kein Zurück mehr. In einigen Runden ist Schluss und man möchte doch nicht durch die Blinds ausscheiden müssen.

Hat man es dann „in the money“ geschafft muss man wieder seinen Standpunkt analysieren. In jedem Falle kann man sich aber jetzt schon einmal freuen, denn der erste Gewinn ist sicher. Nun verbleiben noch zwei Gegner und diese wollen natürlich auch den ersten Platz. In der eigenen Vorstellung sollte man aber das Siegergeld schon für sich reserviert haben. Mit dieser Einstellung geht es nun los. Ist man der Chipleader dann kann man sich für zwei Wege entscheiden. Man übt mit seiner Großmacht starken Druck auf die kleinen Stacks aus und zwingt sie schon vor dem Flop mit einem All-In zur Aufgabe oder man verhält sich weiterhin ruhig und lässt die anderen Beiden das unter sich ausmachen. Steht man mit nur noch wenigen Chips da, dann muss man wieder Aggression zeigen, damit man nicht kampflos untergeht. Auch hier helfen wieder Ass und König als High-Card oder eben ein Pocket Pair. Mit nur noch 3 Spielern verbleibend, sind All-Ins an der Tagesordnung. Daher muss man der erste Spieler sein, welcher davon Gebrauch macht, ansonsten ist man schnell als 3er ausgeschieden.

Bleiben dann nur noch zwei Spieler übrig beginnt das Heads Up, der aggressivste Teil eines jeden Pokerspiels. Die Blinds sind extrem hoch und ein bis zwei Entscheidungen bringen den Sieg. Man muss sich hier sehr aggressiv verhalten, aber nicht übertreiben. Auch im Heads Up ist ein guter Fold viel Geld wert. Spezielle Heads Up Überlegungen gibt es in einem anderen Artikel.

Bevor man sich mit der richtigen Strategie für SnG´s vertraut macht, sollte man überlegen ob die Vor- und Nachteile zu einem passen. Die Tische lassen sich schnell öffnen, das Geld ist von Anfang an verplant und man hat nur wenig Zeit für die Action. Man hat nicht die Zeit wie bei einem Cash Game und kann auf die guten Hände warten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt, in der „Bubble“, sollte man spätestens mit der ersten Aggression beginnen. Der Zeitfaktor ist damit sowohl ein Pro als auch ein Kontra. Schnell steigende Blinds setzen alle Spieler unter Druck, lassen einem aber auch keine Zeit für eine ausführliche Analyse. Unter diesen Bedingungen werden sich fast alle Spieler anders als gewöhnlich verhalten, weshalb das technische Poker viel wichtiger ist.

Der größte Vorteil von SnG´s ist aber eben diese Schnelllebigkeit in Verbindung mit den geringen Ansprüchen an die Beobachtungsgabe. Profis berichten davon, dass sie beim Onlinepoker problemlos 20 Tische und mehr gleichzeitig spielen könnten. Bei so vielen Entscheidungen in der Minute bleibt kein Platz mehr für große Überlegungen. Man selbst wird dadurch auch lesbarer und die Fehlerquote kann höher sein als normal. Selbst Fortgeschrittenen werden nicht mehr als 4 Tische empfohlen. Diese können bei einem großen Monitor bequem neben einander gelegt werden. Noch mehr Tische verschwinden dann im Hintergrund bis zur nächsten Aktion. Diese schlechte Übersicht führt oft zu noch schlechteren Entscheidungen.

Deshalb sind SnG´s nichts für Anfänger. Die Einsätze mögen niedrig und die Gewinne hoch sein, aber es verlangt viel Konzentration und die richtige Herangehensweise. Nur mit einer guten Sit´n Go Strategie lässt sich dauerhaft mit den Kurzlebligen Turnieren Geld verdienen. Im Vergleich zum Cash Game ist hier der Stundenlohn grob berechenbar. Damit man die Preisgelder auch so oft wie möglich erreicht, muss man die angesprochene Verhaltensweise konsequent durchziehen. Kurzfristige Erfolge mit einer loose-aggressive Strategie sind möglich, werden aber nicht von Dauer sein!